Twittern, bloggen, kommentieren. Im Web2.0 mutieren User zum Hobbyjournalisten – und merken es oft gar nicht. Genauso wie für “echte” Journalisten gibt es auch für Freizeitschreiberlinge ganz einfache Tricks. Ich habe mal fünf Regeln zusammengestellt, die einem in Redaktionen und an der Akademie der bayerischen Presse eingetrichtert werden.
1.) Schreib einfach
Das heißt: Rede nicht um den heißen Brei herum. Deine Leser schweifen sonst ab, kapieren nichts mehr und hören auf zu lesen. Sag ihnen genau um was es geht und bedenke dabei, dass deine Webseitenbesucher nicht das Wissen haben, das du in den Artikel gesteckt hast. Lies dir einen Satz lieber zweimal durch bevor du ihn veröffentlichst. Oder besser: Lass das Geschriebene einen anderen vorab lesen. Nur weil du kapierst, was du schreibst, müssen das deine Gäste nicht auch tun.
2.) Verwende kurze Sätze
Musst du einen Satz mehr als einmal lesen um am Ende noch zu wissen, um was es geht? Dann schmeiss den Satz weg und setze ihn neu auf. Liegt vor dir ein ellenlanger Satz, dann teile ihn in mehrere kurze Abschnitte auf. Dein Leser wird es dir danken. Übrigens:
5 Wörter pro Satz sind in der BILD-Zeitung nicht die Regel, aber häufig.
9 Wörter pro Satz bedeuten bei dpa die Obergrenze der optimalen Verständlichkeit.
16 Wörter pro Satz sind der Durchschnitt in deutschen Zeitungen.
17 Wörter pro Satz kommen durchschnittlich im Johannes-Evangelium und in Thomas Manns „Buddenbrooks“ vor.
20 Wörter pro Satz sind die Obergrenze des Erwünschten bei dpa.
25 Wörter pro Satz markieren nach Meinung des Sprach-Papstes Ludwig Reiners den Beginn der Schwerverständlichkeit.
30 Wörter pro Satz sind bei dpa die Obergrenze des Erlaubten.
60 Wörter pro Satz sind in der FAZ keine Seltenheit.
Quelle: http://www.kd-medienverlag.de/sprachsalat/aktuell-details/news/wer-zaehlt-schreibt-besser.html
Was ein “etwas” länger Satz anrichten kann und für was der zuständig ist, zeigt folgendes Beispiel.
Ich willige ein, dass der ADAC (ADAC e.V., seine Tochtergesellschaften sowie die Regional- clubs des ADAC) im erforderlichen Umfang allgemeine Mitgliedschafts- und Leistungsdaten, die sich aus den Antragsunterlagen oder der Vertragsdurchführung (Beiträge, Versicherungs- fälle, Risiko-/Vertragsänderungen) ergeben, in gemeinsamen Datensammlungen führt und diese Daten an Vertragspartner des ADAC übermittelt, soweit dies zur Erbringung von vertrag- lich vereinbarten Leistungen unabdingbar ist (z.B. Straßendienstunternehmen). Gesundheits- daten dürfen ausschließlich an die mit der Hilfeleistung betrauten Stellen (Notrufstationen, Luftrettung, Ambulanzdienst) übermittelt werden. (satte 76 Wörter)
3.) Lerne die deutsche Sprache lieben
Deutsch ist eine tolle Sprache. Warum also immer Denglisch und Fremdwörter benutzen. Klar, ab und an geht es nicht anders. Trotzdem: Das Internet und der Web2.0-Sprachgebrauch sorgen für zusätzliche Wortschöpfungen. Mach dir die Mühe und suche andere Wörter für schwer verständliche Ungetüme.
4.) Aktiv statt passiv
Bei einer passiven Schreibe knicken die Leser weg. Beispiel: Ich werde demnächst dazu noch etwas im Blog schreiben. Besser: Demnächst schreibe ich dazu im Blog. Ich werde.., ich habe…, ich mache… Weg damit. Schreibe aktiver. Das macht deine Texte lebendiger. Male Bilder – mit Worten. Ziehe deinen Leser an der Ort des Geschehens.
5.) Mach den Anfang
Gib am Anfang deines Textes richtig Gas. Sag um was es geht. Hau dem Leser Infos um die Ohren. Mach ihn neugierig auf das was im Text kommt. Ein einfacher Dreiklang zu Beginn reicht oft als Einleitung. Beispiel? Dann schaut mal zum Anfang dieses Textes.
Nur zur Info: Ich will keinen belehren, genauso wenig bin ich ein Klugscheisser. Ich denke einfach, dass ihr euch mit ein paar einfachen Kniffen aus dem Blog-Allerlei abheben könnt.